Netzwerken für Geisteswissenschaftler

Networking ist eines dieser Worte, das jetzt überall präsent ist, aber keiner so genau weiß, was sich dahinter genau verbirgt. Im Internet gibt es jede Menge Tipps, was machen machen sollte und was nicht. Diese Tipps beziehen sich oft auf (Job-)Messen, ich würde aus meiner persönlichen Erfahrung sagen, dass es noch bessere Einstiege fürs Netzwerken gibt. Als Geisteswissenschaftler muss man manchmal andere Wege gehen, da wir nicht – wie es in manchen anderen Studiengängen üblich ist -, umworben werden. Ich arbeite neben dem Studium auf Messen und Konferenzen und habe versucht, meine persönlichen Erfahrungen in Tipps umzuwandeln.

Anzug

DIE BASICS

Zieht euch etwas schicker an. Kleider machen Leute und dadurch entsteht der erste Eindruck.

Nehmt Visitenkarten mit, es wirkt immer professioneller, welche dabei zu haben. Lasst sie auch ruhig einfach am Stand, allerdings werden sich die wenigsten melden.

Überlegt vorher, wen ihr besonders interessant findet. Auf größeren Veranstaltungen findet ihr euch sonst nicht zurecht und auf kleineren ist es gut, schon zu wissen, wen man was fragen kann.

MESSE ODER KONFERENZ?

Erstmal sind zwei Arten von Messen zu unterscheiden. Zum einen gibt es Jobmessen, die nur dafür da sind, dass ihr euch orientieren und vorstellen könnt. Vorteil: Hier sind die richtigen Ansprechpartner und oft könnt ihr mit ihnen individuelle Termine vereinbaren. Nachteil: Sie werden von Interessenten überflutet und können sich hinterher an viele nicht mehr erinnern. Eine Liste von Jobmessen findet ihr z.B. bei Karrierebibel.

Dann gibt es Messen, die sich meistens an Fachpublikum richten oder auch für den Endkunden gestaltet sind, wie z.B. die Buchmesse oder Photokina. Hier ist es empfehlenswert, zu den Fachtagen zu gehen, da die Publikumstage (wenn es welche gibt) zu viel Menschenandrang haben für produktive Gespräche. Dafür braucht man allerdings eine Zugangsberechtigung – teilweise reicht ein eigener Blog, mit Presseausweis oder passendem Job geht es aber immer. Eine weitere Möglichkeit ist, auf der Messe zu arbeiten. Selbst wenn das bedeutet, stundenlang Flyer zu verteilen: Irgendwann habt ihr Pause und könnt mit interessanten Arbeitgebern reden. Allerdings kann es auf großen Messen sein, dass der richtige Ansprechpartner nicht am Stand ist, z.B. wegen eines geschäftlichen Termins. Perfekt wäre natürlich, gleich bei einem Unternehmen zu jobben, das euch für den Berufseinstieg interessiert. Dazu gehört aber eine riesige Portion Glück.

Wirklich gut eignen sich Konferenzen oder Tagungen zum netzwerken, am besten zu einem Thema, das ihr auch schon im Studium vertieft habt. Das Schwierigste daran könnte sein, überhaupt Veranstaltungen zu finden. Denn sie haben meist nur wenige Plätze zur Verfügung und machen vor allem Unternehmen und Organisationen auf sich aufmerksam, da dort Fachleute sitzen. Leider haben solche Veranstaltungen oft einen (hohen) Eintrittspreis, der euch aber wirklich exklusive Kontakte sichern kann.

WO FINDE ICH VERANSTALTUNGEN?

Nicht nur für politisch Interessierte bietet die Bundeszentrale für politische Bildung viele Veranstaltungen an. Gerade für Geisteswissenschaftler bietet sich dort ein breites Spektrum, von Medien über Kunstgeschichte bis hin zu, na klar, politischen Themen. Die Schwarz-Kopf-Stiftung macht in Kooperation mit der BpB auch immer wieder Konferenzen speziell für Studierende.

Wer sich für Journalismus interessiert, sollte in Betracht ziehen, die Konferenzen von Netzwerk Recherche e.V. zu besuchen. Dafür muss man nicht Mitglied des Vereins sein, wer aber sowieso gerne in dem Bereich arbeiten möchte, kann sich auch das überlegen.

Die “Neuen Medien” bieten in meinen Augen einen großen Arbeitsmarkt für Geisteswissenschaftler, in Presseabteilungen beispielsweise werden sie immer wichtiger. Die passende Konferenz ist die re:publica, die trotz 5000 Besuchern eine entspannte und produktive Atmosphäre hat, bei der man das Gefühl hat, jeden ansprechen zu können.

Viele interessante Termine findet man im Newsletter von kultur im web. Er erscheint jeden Mittwoch und kann sowohl auf der Homepage eingesehen werden als auch per Mail abonniert werden. Dabei liegt der Schwerpunkt auf (digitaler) Kulturvermittlung, insbesondere im Museum.

DIE KÜR

Wirklich erfolgreich netzwerken funktioniert am besten, wenn man ein konkretes Anliegen hat, das nicht nur “Ich brauche einen Job” ist, sondern auch dem Unternehmen etwas bringt. Und wenn es nur ein Portrait über das Unternehmen auf eurem Blog ist oder ihr sonst eine Dienstleistung anbieten könnt. So habt ihr auch einen Grund, euch später zu melden und den Kontakt zu vertiefen. Das sollte man aber nur mit ausgewählten Favoriten machen, sonst wirkt es nicht mehr authentisch.

Vernetzt euch nicht nur mit den Chefs, unterhaltet euch auch mit den Azubis am Stand oder Aushilfen auf einer Konferenz. Sie sind im eurem Alter und kennen eure Situation. Man kommt oft schneller auf eine Wellenlänge und in ein paar Jahren werden sie irgendwo sitzen, wo du vielleicht hinwillst. Da die Jobsuche nicht im Vordergrund steht, ist das Kontakthalten auch leichter. Aber: Nicht aufdringlich sein!

Das geht am besten über Xing oder LinkedIn, denn bei facebook und ähnlichen Netzwerken steht das Private mehr im Vordergrund, beruflich vernetzen sollte also über passende Portale passieren.

Auch wenn ich mich hier wiederhole, versucht einen Job zu kriegen, wo ihr auf relevanten Veranstaltungen arbeitet. Das sieht nicht nur im Lebenslauf gut aus, als Vertreter eines Unternehmens habt ihr auch gleich einen Mehrwert für andere.

Und zuletzt: Versucht auch außerhalb von Messen den persönlichen Kontakt zu Firmen zu suchen, z.B. indem ihr euch in einem Laden nach Jobs erkundigt. Ich habe mal ein Prkatikum bekommen, einfach weil ich gefragt habe und die Einzige war. Inzwischen habe ich bei diesem Untternehmen einen Nebenjob. Das passiert nicht mit jedem Kontakt und man darf sich nie zu viel erhoffen – aber auch nicht zu wenig.

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