Du bist Prokrastinationskönig/in – ein Interview mit Anna

Anna hat fünf Produkte entworfen, die das Prokrastinieren unterstützen, im Interview erzählt sie, was es damit auf sich hat.

Anna_und_Würfel_seitlich

Wer bist du, wo wohnst du und was machst du im „echten Leben“?

Ich bin Anna, 25, komme ursprünglich aus Dortmund und habe in Krefeld Produktdesign studiert. Inzwischen bin ich in Bonn angekommen und arbeite in Köln in einer Verpackungsdesign-Agentur, die Spielzeugsverpackungen herstellt. Ich mache sowohl das digitale Design als auch das Ausdrucken und das Zusammenbasteln und Modelle bauen. Ich habe schon im Studium gemerkt, dass ich sowohl das Grafische mag als auch die fertigen Produkte.

pro

Was hat es mit „Pro“ auf sich?

Pro sind die Produkte, die bei meiner Bachelorarbeit entstanden sind. Ich habe davor das Buch „Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin“ von Sascha Lobo und Kathrin Passig gelesen und bin damit im Hinterkopf auf mein Thema Prokrastination gekommen. Meine Professoren wussten damit erstmal nicht so viel anzufangen, ich habe dann ein bisschen erklärt, was diese „Aufschieberitis“ ist.
In dem Buch wird unter anderem gesagt, dass Auschieben nicht immer schlecht ist. Es gibt verschiedene Typen, zum Beispiel den Active Procrastinator, der immer aufschiebt, aber kurz vor Schluss alles noch hinbekommt. Der weiß: Ich kann 10 Wochen Zeit haben, ich mache es doch erst in der letzten. Für diesen Typ Mensch habe ich Pro entwickelt, um das schlechte Gewissen zu nehmen.
Ich will das auch nicht ins Lustige ziehen, das Aufschieben klappt nicht bei jedem, aber ich richte mich an diejenigen, bei denen es so am besten funktioniert. Alle Produkte stehen unter dem Titel: „Du bist Prokrastinationskönig/in“.

Würfel

Was sind die einzelnen Produkte?

Münze: Man kann die Münze werfen und die Münze entscheidet dann zwischen Stift und Krone, also ob man Arbeiten muss oder Faulenzen.
2 Würfel: Auf dem einen Würfel ist eine Zeitangabe, auf dem anderen eine Tätigkeit. So können zum Beispiel 20 Minuten Computerarbeit gewürfelt werden.
Der Aktivitätenbeutel: 100 verschiedene Prokrastinationsaktivitäten, die man ziehen kann. So fühlt man sich nicht schlecht, wenn man z.B. Lottospielen zieht und dann Lotto spielt.
Arbeitskerze: Die optimale Zeit zum Lernen sind 4 Stunden, so lange wie ein Teelicht brennt. Wenn du arbeitest, machst du das Teelicht an, wenn nicht, machst du es aus. Das Tagesziel ist erreicht, wenn die Kerze ausgebrannt ist.
Pflicht- und Kürbrett: Zwei Zettelblöcke, auf den einen schreibt man die Pflichtsachen, auf den anderen die spaßigen. Und wer die Pflicht erfüllt hat, darf auch etwas von der Spaßseite machen. So kann man sich auch merken, was einem immer wieder zwischendurch einfällt, was man mal wieder machen könnte.

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Prokrastinierst du selbst auch sehr viel?

Bei meiner Bachelorarbeit musste ich einen schriftlichen Teil zum Arbeitsprozess abgeben, den ich dann auch nur in einer Woche geschrieben habe – aber hat ja gut geklappt. Ich habe auch schon wieder seit 3 Wochen Sachen im Kopf, die noch machen will.

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Warum, meinst du, prokrastinieren vor allem Studenten?

Ich habe mich hauptsächlich mit Studenten beschäftigt und in Münster gibt es z.B. auch eine Prokrastinationsambulanz an der Uni. Ich glaube, es ist eher ein Studentending, weil man später im Berufsleben nicht so die Möglichkeit dazu hat.

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Wird man die Pro-Produkte auch bald kaufen können?

Ich hatte ein Gespräch mit einer Firma, die das professioneller produzieren wollten, mir dann aber doch wieder abgesagt haben. Ich bin immer noch auf der Suche nach jemandem, der das mit mir zusammen umsetzen möchte, denn allein ist es nicht zu machen, da ich ja auch arbeite. Auf meiner Homepage biete ich einen Newsletter an, bei dem sich Leute eintragen können, die mehr zu Pro erfahren wollen. Das sind im Moment etwa 150 und werden immer mehr. Ich werde auch gefragt, wo man das kaufen kann, das Interesse ist also da.

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Hast du dich bei der Studienwahl bewusst gegen eine Geisteswissenschaft entschieden?

Ich hatte Kunst als Leistungskurs und wollte so etwas auch machen. Ich habe mich auf 3 Unis beworben und bin letztendlich in Krefeld gelandet. Im Nachhinein war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung.
Deutsch hatte ich auch als LK, das lief aber nicht so gut, also war ziemlich schnell klar, dass ich eher in die künstlerische Richtung gehen würde.

Danke für das Interview, liebe Anna!

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